Gunther Stangl, Storchenbeauftragter

Die Mittelbayerische vom 3. Mai 2019 berichtet unter dem Titel “Kaltstart für Meister Adebars Kinder”, dass die Nittenauer Störche heuer fünf Eier aus brüten und das Schlüpfen jeden Moment beginnen kann, doch jetzt drohen Frost und Regen. Gunther Stangl, der Storchenbeauftragte der Stadt Nittenau, hat kein gutes Gefühl. „Ich weiß nicht, ob es ausreichen wird“, sagt er. Bleibt zu hoffen, dass die Altstörche auf dem Dach des Haus des Gastes genügend Sitzfleisch haben, um ihren Nachwuchs rund um die Uhr warm zu halten. „Sonst ist das ganze Gelege kaputt“, sagt Stangl. Er kann die Vögel zwar beim Wärmen der Küken nicht unterstützen, will den Störchen im Notfall aber anderweitig helfen: Er wird sie bei Bedarf mit Fisch und Hühnerküken füttern. Ob das Nittenauer Storchenpaar tatsächlich alle fünf Jungvögel großzieht, wird sich im Lauf der Zeit entscheiden: Die kräftigsten Küken bekommen zuerst ihre Futterration, die die Eltern in der Regel in der Mitte des Nest herauswürgen. Die schwächeren Storchenkinder haben das Nachsehen – und manchmal komme es sogar vor, dass die Eltern in den ersten zwei Wochen ein kränkelndes Küken fressen, sagt Wieding. Was für Menschen grausam klinge, erhöhe aber die Überlebenschancen für die kräftigen Küken.

Das Onetz vom 19. April 2019 meldet, dass im Kleintierzuchtverein Nittenau der Umbruch eingeleitet wurde. Der neue Vorsitzende Gunther Stangl ernannte seinen Vorgänger Karl Wolfgang Brunner zum Ehrenvorsitzenden, unter dem die Zahl der Vereinsmitglieder von 58 auf 467 stieg, die Zahl der Tiersparten von zwei (Hühner und Tauben) auf sieben (Ziergeflügel, Kaninchen, Brieftauben, Vögel und Meerschweinchen). Zum Stellvertreter und Zuchtwart wurde Tobias Baumer gewählt sowie zum dritten Vorsitzenden und Hauptorganisationsleiter Kathrin Marshalt.

Die  Mittelbayerische berichtet am 7. August 2014:

Adebar Amadeus probt den Abflug

Der Storch, der im Juni in Nittenau aus dem Nest gefallen war, hat sich erholt. Sein Pfleger Gunther Stangl rechnet mit allem: Abschied und Verbleib. Der Jungstorch, der vor knapp zwei Monaten vermutlich von seinen rabiaten Geschwistern aus dem Horst am Burghof gestoßen wurde und sich dabei verletzte, ist längst wieder gesund und hat sich prächtig entwickelt und ist drauf und dran, das Fliegen zu lernen. Zu verdanken hat der Langschnabel dies dem erklärten Tierliebhaber Gunther Stangl. Der Landschaftsgärtner hatte am 16. Juni an der Rettungsaktion der Feuerwehr teilgenommen und sich per Drehleiter zum Schneefanggitter hieven lassen. Mit geschickter Hand packte er das verängstigte Geschöpf und setzte es in einen mit Gras gepolsterten Eimer. Der Vogel blutete, offenbar hatten ihn seine Geschwister gepickt, außerdem war ein Flügel leicht verbogen. Eine seiner Töchter taufte den verstoßenen Vogel sogleich „Amadeus“, was angeblich überhaupt keinen musikalischen Hintergrund hat, und ab ging’s mit dem Langbeinigen auf den Hof von Gunther Stangl Am Rastberg. Dort hat der 46-jährige Familienvater für hinter diversen Volieren und Koppeln zwei Horste errichtet. Einer befindet sich in rund fünf Metern Höhe und dient als Landeplatz, zum Beispiel für Amadeus’ Eltern oder Geschwister, die das Stangl-Anwesen tatsächlich schon angesteuert haben. Der zweite, deutlich tiefer gelegene Horst ist das gemütliche Nest von Amadeus. Längst verbringt der Stelzvogel seine Zeit lieber am Gras, um die üppig ausgelegte Nahrung aufzuschnappen. Bisweilen kreuzen sich dann seine Wege mit einem anderen Storch, den Stangl ebenfalls in Obhut genommen hat. Er war in eine Stromleitung geraten. Amadeus’ Verletzungen waren schon nach rund einer Woche verheil, und mittlerweile ist der Genesene so kräftig, dass jeden Tag mit ersten Flugversuchen zu rechnen ist. Da ist ihm der luftige Startplatz dann doch nützlich.

Neuer Stand: Die Mittelbayerische vom 27. Juni 2015 schreibt unter dem Titel: “Storchenglück pur in der Stadt Nittenau

Drei neue Jungvögel, keine blutigen Kämpfe – was will Adebars Fan mehr? Sogar in Bruck sorgte ein Langschnabel für Aufsehen.

Welch Aufsehen Störche quasi automatisch erregen können, war dieser Tage in der Marktgemeinde Bruck zu erleben: Ausgerechnet auf einer Laterne in der Nittenauer Straße hatte es sich ein Langschnabel bequem gemacht. Der Verkehrslärm schien ihm völlig gleichgültig zu sein. Nachdem das einzige bekannte Storchennest in Bruck schon seit Jahren verwaist ist (hohe Bäume ringsum verhindern „Starts und Landungen“) und Adebar in Nittenaus Nachbargemeinde also ein sehr seltener Anblick geworden ist, war das Staunen über den gefiederten Besucher groß. (…) Manch Tierliebhaber zeigte sich freilich gleich etwas zu besorgt. Weil der Storch, dessen Federkleid einen etwas zerzausten Eindruck machte, stundenlang auf seinem luftigen Sitzplatz verweilte, wurde spekuliert, das Tier sei möglicherweise ernsthaft krank. Über ein soziales Netzwerk erfuhr das umgehend die halbe Welt. (…) Als sei ihm die Aufregung unangenehm geworden, wechselte der Storch tags darauf demonstrativ seinen Standort. Nun war eine Laterne in der Sollbacher Straße sein neuer Hochsitz. Damit aber nicht genug: Der Storch weise „atypisches Verhalten“ auf, waren Zeitgenossen überzeugt. Feuerwehr und Polizei wurden informiert, die wiederum Gunther Stangl zurate zog. Wer konnte den Fall besser beurteilen, als der für seine Tierliebe bekannte Landschaftsgärtner? Nun war der vermeintlich verletzte Storch in einer Wiese bei St. Hubertus gesehen worden. Stangl war alsbald zur Stelle, doch als er sich dem Langhals näherte, flog er ohne erkennbare Schwierigkeiten davon. Immerhin hatte die Zeit für Stangl ausgereicht, um an einem silbernen Ring zu erkennen, woher das Tier vermutlich stammt: aus einer Auffangstation in Tschechien. Jedenfalls nicht aus Nittenau, denn der einzige markierte Nittenauer Langschnabel trägt am Bein einen grünen Ring. Wie auch immer: Im Gegensatz zu manch anderem renommierten Störchestandort in der Region, wo blutige Kämpfe zu herben Verlusten geführt haben, blieb die Regentalstadt heuer vor einem ähnlichen Drama verschont. Mitte Mai durften sich Adebars Freunde über drei entzückende Storchenbabys freuen, die auf dem Haus des Gastes geschlüpft waren. Und: Anders als noch vor einem Jahr schafften es alle drei Jungtiere, sich fest einzunisten.
Wir erinnern: Storchenfreund Gunther Stangl mit „Amadeus“, dem verunglückten Storch, den er 2014 wieder aufgepäppelt hat. An Familiengründung hat der Vogel heuer noch nicht gedacht. 2014 war ein Vogel wohl zu schwach gewesen und aus dem Horst gestürzt. Gunther Stangl rettete ihn über die Drehleiter der Stützpunktwehr aus dem Schneefanggitter und päppelte ihn hoch. Als „Amadeus“, wie ihn Stangls Tochter während der Pflege taufte, bereichert das Tier bis heute den kleinen Zoo, den sich der Gärtner im Laufe der Zeit auf seinem Betriebsgelände am Rastberg zugelegt hat. Eine Freundin, so berichtet Stangl, hat sich „Amadeus“ heuer übrigens noch nicht zulegt. Zwar wäre er körperlich für eine Familiengründung bereits fit gewesen, für Liebesgefühle hat es aber noch nicht gereicht.
Drei neue Störche heuer am Haus des Gastes: Interessierte Nittenauer konnten das Geschehen im Horst erneut über die Webcam beobachten, die Hans Fünffinger vor einigen Jahren installiert hat. Alles blieb ruhig, alles friedlich. Wind und Wetter wurden gut überstanden. Kein fremder Vogel wagte eine Attacke, was freilich daran liegt, dass die Alteingesessenen Nittenauer Störche heuer schon im Frühjahr für klare Verhältnisse in Sachen Lufthoheit und Platzverteilung sorgten. Als es ein Neuling wagte, das Nest am Volksbildungswerk hinter dem Rathaus zu besetzen, wurde er so heftig attackiert, dass er umgehend das Weite suchte. – Sehr zum Bedauern von Stangl, denn „sonst hätten wir heuer zwei Brutpaare gehabt“. (…) Das aggressive Gebaren Adebars sei übrigens in bayerischen Gefilden besonders ausgeprägt, berichtet Vogelfreund Stangl. Andernorts würden sich die Langschnäbel deutlich besser vertragen. Es existierten Kleinstädte wie Nittenau, wo zwanzig, dreißig Paare in friedlicher Koexistenz zu Hause seien. Die erwähnte frühe Auseinandersetzung blieb heuer die einzige brenzlige Situation in Nittenau, ansonsten ist das Storchenglück ungetrübt. Die Jungvögel haben sich prächtig entwickelt und signalisieren mit ersten Flügelschlägen, dass sie bald abheben möchten. Gunther Stangl berichtet, er habe eines der Jungtiere schon durch die Luft schweben sehen. Der schwarze Schnabel sei ein gutes Erkennungsmerkmal gewesen. Die Geschwister des „Pioniers“ dürften es ihrem Bruder bald gleich tun.

Tiertragödie in Nittenau

Die Mittelbayerische vom 24. Juni 2017 berichtet: Eine Spaziergängerin entdeckte den Vogel mit schweren Bissverletzungen. Ihm war nicht mehr zu helfen. Gunther Stangl ist erfahrener Jäger, zudem Falkner und stellvertretender Landkreisjagdberater – und hat in den 25 Jahren Jagderfahrung schon viel erlebt. Doch der Anblick des sterbenden Vogels erschütterte ihn zutiefst. Sofort ist er, nachdem er die Polizei verständigt hatte, herbeigeeilt. „Beide Beine des Storchs waren gebrochen und wurden nur von Hautfetzen gehalten, auch an der Brust hatte der Vogel Bissverletzungen“, berichtet Stangl. Vergebens hatte sich der schöne Vogel bemüht, aufzustehen und wegzufliegen. Erschöpft blickt er Stangl an und kann nur noch den Kopf heben. Der Nittenauer weiß sofort: „Es war einer der beiden Störche, die gerade auf dem Haus des Gastes brüten.“ Nun drängt die Zeit. Vielleicht wäre er ja noch zu retten, so hofft der Falkner und schickt einem spezialisierten Tierarzt ein Foto. „Dieser sagte sofort: Mach dem Leiden ein Ende“, erklärt Stangl traurig. „Das habe ich getan, und es war nicht leicht.“ Neben Trauer spürt er aber auch Ärger und Wut. Der erfahrene Jäger ist sich nämlich sicher, dass ein Hund den Storch verletzt haben muss. Jeder Hund habe einen Jagdreflex. „Ein Fuchs hätte den Storch sofort getötet. Ein Unfall durch ein Auto oder eine Stromleitung ist hier ohnehin auszuschließen. Vermutlich hat der Besitzer den Hund zurückgepfiffen.“

Webcam: http://www.fuenffinger-nittenau.de/webcam/kirchplatz/webcam.html

Live Stream

Christbaumgarten

Gunther Stangl besitzt auch einen Christbaumgarten, wobei nur die allerschönsten verwendet werden. Gunther Stangl tut auf jeden Fall sein Bestes, damit es den Bäumen auf seinen Plantagen gut geht und sie schön wachsen, berichtet die Mittelbayerische am 15. Dezember 2015: „So umweltverträglich wie möglich werden die Blau- und Rotfichten, die Kiefern und Nordmanntannen und etliche Coloradofichten in seinen Plantagen gezogen. Kein Spritzmittel, auch nicht zur Unkrautbekämpfung zwischen den Reihen, kommt hier zum Einsatz. Das Unkraut wird ganz natürlich von Emus, Hühnern und Gänsen „vernichtet“. Ganz nebenbei bewachen dabei die großen Laufvögel auch die Bäumchen. Zumindest haben sich bislang noch keine Diebe in die Plantage getraut. Ohne wachstumsfördernde Spritzmittel und Dünger, brauchen die Bäume eben zwei bis drei Jahre länger bis sie geschnitten werden können, aber der Umwelt zuliebe, gibt ihnen Gunther Stangl diese Zeit. Auf zwei Hektar Grund baut er seinen Bäume an und jedes Jahr, wird nachgepflanzt. Zwischen vier und zwölf Jahren braucht ein Baum, je nach Art, bis er eine „Verkaufsgröße“ erreicht hat.“ Zwar geht der Trend hin zur Nordmanntanne, aber viele Kunden schätzen immer noch die Blaufichte und auch die Kiefer.  Seine Bäume werden bis zum letzten Verkaufstag immer wieder frisch geschnitten, so dass sie sicherlich lange halten. Stangl bietet Bäume in einem Preisrahmen von 4,99 Euro für den Garten bis zu 150 Euro, für Übergrößen an. Tipp: Nach dem Kauf etwas Rinde entfernen und in einen Eimer Wasser stellen. Vor dem Einbringen in den Christbaumständer noch einmal Rinde wegnehmen und Wasser in den Ständer geben.

Christbaumkauf ist Kult

Auch 1916 zu Weihnachten berichtet die Mittelbayerische von Gunther Stangl: „Ja, Christbaumkauf ist Kult“, sagt Gunther Stangl und lacht. Das ist übrigens schon lange so: In der deutschen Literatur taucht der Weihnachtsbaum erstmalig im Jahr 1774 in Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“ auf. Immerhin schon 21 Jahre lang pflanzt und verkauft Stangl in Nittenau Christbäume. Die Nittenauer, Brucker und Bodenwöhrer seien sogar noch ein weniger wählerischer, denn für sie müsse es ein besonders großer Baum sein. 2,40 Meter – das sei hier das gefragte Maß. Überdies wurde der perfekte Baum wissenschaftlich erforscht: Die idealen Modelmaße haben den Faktor 1:0,6, also einen Meter hoch und 60 Zentimeter breit, oder eben zwei Meter mal 1,20 Meter (…). Das gängige Vorurteil, Christbäume seien mit Pflanzenschutzmitteln behandelt, kann Emslander ausräumen: „Seit drei Jahren werden 99 Prozent der Bäume aus unserem Verband nicht chemisch behandelt. Man könnte sie sogar essen“, beteuert er. Auch Stangl habe seine Bäume noch nie gespritzt, erklärt er. Für die Umwelt seien die Kulturen sogar positiv zu bewerten. Forstexperten hätten ermittelt, dass auf einem Hektar einer Weihnachtsbaumkultur bis zu 145 Tonnen Kohlendioxid gebunden werden und für viele Lebewesen und Pflanzen günstige Bedingungen entstehen. Weite Transportwege kann man vermeiden, indem man einen regionalen Baum kauft. (…) Der Trend geht übrigens zum Zweitbaum: Kunden kaufen vermehrt einen kleinen Baum für den Balkon oder das Kinderzimmer. Auch auf Gräber werde oft ein geschmückter, kleiner Baum gestellt. (…) Wer jetzt noch einen Christbaum kaufen will, sollte sich beeilen. Die meisten seien schon weg, sagt Stangl. „Je später, umso schwieriger ist es, den perfekten Baum zu finden.“ Er hat sogar noch am Heiligabend bis 12 Uhr geöffnet. „Kurz vor Schluss kommen immer dieselben Kunden, die ein Schnäppchen ergattern wollen.“

Die Mittelbayerische vom 16. Mai 2016 meldet:

„Das „Wohnzimmer“ ist wieder voll“. Die Nittenauer Störche haben es wie alle Jahre spannend gemacht. Mit stoischer Gelassenheit gingen sie in den vergangenen Tagen im Nest auf dem Dach des Haus des Gastes ihrer Arbeit, dem Brüten, nach. Nun scheint der Eifer von Erfolg gekrönt zu sein: Offenbar sind drei, vielleicht sogar vier Storchenküken ausgeschlüpft. Live ins Wohnzimmer von Familie Adebar zu schauen lohnt sich also derzeit besonders und ist für alle Fans der Störche ganz einfach möglich: Auch heuer liefert die am Nest installierte Kamera spannende Einblicke in den Alltag der Tiere.
Mittlerweile ist es für die Nittenauer Störche längst nicht mehr selbstverständlich, sich im Herbst auf die Reise in den Süden zu machen: Auch im vergangenen Winter ist offenbar das Männchen, nachdem es für vier Wochen verschwunden war, wieder aufgetaucht und hat die kalte Jahreszeit im Regental verbracht. Offenbar sind das Klima und die Möglichkeiten, Futter zu finden, für die Tiere hier so angenehm, dass sie sich die weite und gefährliche Reise nach Afrika gern sparen.
Amadeus fühlt sich pudelwohl
Knapp zwei Jahre später fühlt sich Amadeus in seinem neuen Zuhause immer noch pudelwohl. Täglich verzehrt er etwa zehn bis 15 tote Hühnerküken, dazu noch ein paar kleine Weißfische. Dazu kommen Insekten oder Mäuse, die er sich selbst beim Spaziergang auf der Wiese fängt. Die Wahrscheinlichkeit, dass Amadeus irgendwann einmal zurückkehrt und ein Leben als „wilder“ Storch führt, geht derweil gegen null. Sein „Ziehvater“ hätte ihn gern wieder in die Freiheit entlassen. Doch offenbar hat der Sturz vom Nest in die Dachrinne größere Schäden an Amadeus’ Flügel hinterlassen als erwartet. Wenn man genau hinsieht, erkennt man eine kleine Fehlstellung – mit gravierenden Folgen: Amadeus kann keine weiteren Strecken fliegen und bricht alle Anläufe nach zehn bis 15 Metern wieder ab. Ob es sich bei Amadeus tatsächlich um einen Storchenmann handelt, ist übrigens noch immer unklar. Gewissheit würde hier eine Federanalyse bringen, mit deren Hilfe man das genetische Material des Vogels überprüfen könnte. Stangl denkt gerade darüber nach, Amadeus testen zu lassen.
Er selbst vermutet mittlerweile, dass es sich bei seinem tierischen Gast um eine Storchendame handelt. Dieser Verdacht kam ihm im Frühjahr, als Amadeus regelmäßig Besuch vom Storchenmann aus dem Nittenauer Nest bekam und eifrig angeklappert und angeflirtet wurde. Ruhe war damit erst, als die Storchendame aus dem Süden zurückkehrte und ihren Mann selbst wieder in Beschlag nahm.
Mittlerweile kommen beide Vögel gern zu Amadeus auf die Stangl-Ranch. Dann wird eifrig geklappert. Näherer Kontakt ist zwischen den Tieren im Moment allerdings nicht möglich: Auf Stangls Anwesen geht der Fuchs um und hat schon Enten und Hühner mitgehen lassen. Um Amadeus nicht in Gefahr zu bringen, darf er im Moment nicht frei auf dem Areal herumstolzieren. Doch sobald das wieder gefahrlos möglich ist, kann der junge Storch das Leben auf der Stangl-Ranch wieder in vollen Zügen genießen. Und wer weiß, vielleicht findet auch er bald einen Partner fürs Leben? Stangl überlegt, ihn mit einem der Störche in der Höllohe zu verkuppeln – was für wunderbare Zukunftsaussichten für den stolzen Vogel, der vor zwei Jahren nur ganz knapp dem Tod entronnen ist.

Die  Mittelbayerische berichtet am 19. April 2017, dass sich ein Flamingo nach Nittenau verirrt hat, der schon seit Stunden wie angewurzelt im Flussbett der Regen steht und vermutlich wegen der Kälte er den Kopf im Gefieder versteckt. Gunther Stangl hat den Vogel mit dem Fernglas unter die Lupe genommen und keinen Ring entdeckt, sodass der rosafarbene Vogel nicht aus einem Zoo ausgebüchst sein dürfte. Stangl vermutet eher, dass der Flamingo aus einem Vogelzug stammt und quasi im Regen notgelandet ist. Für denkbar hält Stangl auch Szenarien, wonach das Tier angesichts der starken Turbulenzen, die derzeit gerade auch in Höhen, in denen die Vögel von ihren Sommerquartieren im Süden zu nördlicher liegenden Brutkolonien etwa in Holland oder Norddeutschland fliegen, verweht wurde und im Regenfluss gestrandet ist. Eine andere Möglichkeit wäre auch laut Stangls Theorie, dass der Flamingo einfach zu geschwächt war, um mit seinen Kollegen mitzuhalten. Dann wäre er im Regen gelandet, um hier eine Pause einzulegen. Es ist zu überlegen, ob ein Eingreifen sinnvoll erscheint, denn Stangl beurteilt die Überlebenschancen des Flamingos nicht allzu positiv. Dem Wärme gewohnten Tier ist es hier derzeit zu kalt, und geeignetes Futter dürfte er auch nicht finden. Aber wenn er tatsächlich zu geschwächt wäre, um seine Reise fortzusetzen, ließe er sich möglicherweise einfangen. Dann könnte man ihm auch helfen. Aber vielleicht macht sich der Flamingo auch von selber wieder auf den Weg.

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© Werner Stangl Linz 2019