Michail Stangl, DJ

Michail Stangl lebt in Berlin und bewegt sich seit vielen Jahren durch die internationale Underground-Szene, er arbeitet als DJ oder als Kurator für das CTM Festival. Von Shanghai nach St. Petersburg mit Zwischenstopp in Berlin: Michail Stangls Arbeitsplatz ist die ganze Welt. In Lichtenberg hat er seine Karriere an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Karlshorst begonnen. Heute ist er Mitbetreiber der Internet Plattform „Boiler-Room“ zur Übertragung von DJ-Sets und Livemusik.

2020 war für Stangl das erste Jahr, in dem er hauptberuflich als DJ hätte arbeiten können, eine Welttournee war geplant, stattdessen, hat er sich in den letzten Monaten viel von Kichererbsen ernähren müssen. Er hat nicht auf sogenannten Plague Raves gespielt, den Pest-Raves – so werden die maskenlosen Partys genannt, die derzeit stattfinden. „Plague Raves“, sagt Stangl, „sind ein Ausdruck von Privilegien und dem bewussten Ausnutzen dieser Privilegien. Jedes Handeln, das nicht solidarischen Grundprinzipien entspricht, spielt der Übertragung des Virus in die Hände. Wenn das individuelle Wohlgefühl über allem steht, haben wir ein Problem. Das ist Sozialdarwinismus.“

Stangl sagt: „Ein beachtlicher Teil der Szene der elektronischen Musik kümmert sich nur vermeintlich um Werte wie Gemeinschaft, Solidarität, Inklusion, Antirassismus – das war nur ein Geschäftsmodell. Auch wenn es viele Aktivistinnen in der Berliner Szene gibt, die schon seit Jahren wichtige Arbeit diesbezüglich machen, war es für andere immer nur ein Geschäftsmodell. Diese Inhaltslosigkeit zeigt sich jetzt deutlich.“ Da ist es wieder: Corona als Brennglas.

Michail Stangl sagt, dass es auch im Techno eine sehr ungleiche Verteilung von Macht und Kapital gebe. Es sei „eine Kultur, die auf Aneignung und Ausschluss basiert“ – auf den Videos aus Tulum und Sansibar wird diese Kultur für viele nun erstmals sichtbar.

Quellen

https://www.zeit.de/ vom 29. April 2021
http://rathausnachrichten.de/lichtenberg-veraendert-sich-sehr-positiv/