Philipp Stangl, Rebel Meat

Die Produkte von Rebel Meat werden in Wien produziert und richten sich an alle „umweltbewussten Fleischesser“. Missionieren will man niemanden, den Fleischkonsum keineswegs verbieten, denn viele Menschen wollen einfach (noch) nicht zur Gänze auf Fleisch verzichten. Ein rein vegetarischer Lebensstil ist mitunter sogar weniger nachhaltig als das Fleischesser-Dasein, wenn etwa das Soja für Ersatzprodukte vom anderen Ende der Welt komme. Fokussieren wollte man sich ursprünglich auf die Gastronomie, ein Auftritt in der Puls-4-Start-up-Show „2 Minuten, 2 Millionen“ brachte Reichweite und Investoren. Dann kam – wie in so vielen Geschichten des vergangenen Jahres – Corona. Einzelne Gastronomen sind  wegen des Lockdown abgesprungen, das hat natürlich wehgetan. Trotzdem zählt man mittlerweile rund 30 Partnerrestaurants, darunter bekannte Lokale wie die Wiener Burgerlover oder die Kette Omnom Burger. Zudem beschleunigte Corona den Gang in den Einzelhandel: Ab kommender Woche findet man vier neue Produkte von Rebel Meat im Supermarkt – darunter Bratwürstel und Käsekrainer. Der nächste große Schritt ist der deutsche Markt: Dieser soll spätestens Anfang des nächsten Jahres folgen.

Philipp Stangl ist neben Cornelia Habacher und Wolfgang Haidinger einer der Gründer des Wiener Startups Rebel Meat, den er sieht den Need, den Fleischkonsum auf globaler Ebene zu reduzieren. Mit der Molekularbiologin Cornelia Habacher sowie dem gelernten Koch und Unternehmer Wolfgang Haidinger hat sich Stangl auf die Suche nach so einem Produkt begeben. „Das war lebensmitteltechnologisch eine spannende Herausforderung, aber am Ende des Tages kamen wir zu einer simplen Lösung“, meint der 33-Jährige:

Rebel Meat hat vergangene Woche mit einem neuen Burger auf sich aufmerksam gemacht, der zu 50 Prozent aus Fleisch und zu 50 Prozent aus pflanzlichen Produkten besteht. In zwei Wiener Lokalen (Die Burgermacher und Plain Vienna) gibt es die Pattys, die aus Rindfleisch, Kräutersaitlinge aus dem Marchfeld, Hirse (glutenfrei) und Gewürzen produziert werden, bereits zu kaufen. Heute sind noch 50 Prozent Fleisch in den Burgern von Rebel Meat, doch laut Stangl arbeite man daran, den Anteil auf 25 Prozent zu senken.

„Es gibt eine große Menge von Leuten, die weniger Fleisch essen wollen, aber merken, dass es in der Praxis recht schwierig ist“, sagt Philipp Stangl, „denn viele Fleischersatzprodukte sind für den klassischen Fleischesser noch nicht gut genug und noch ein zu großer Kompromiss.“ Mit dem Rebel-Meat-Burger will man es dieser Zielgruppe einfach machen, weniger Fleisch zu essen.

Gemäß des „Fleischatlas 2021“ des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland und der Heinrich-Böll-Stiftung blieb der Konsum von tierischen Produkte in den Industrienationen seit Jahren konstant hoch: 60 Kilogramm Fleisch verzehrte jeder Deutsche im Schnitt 2019, in Österreich waren es sogar vier Kilogramm mehr – das entspricht 1,2 Kilogramm Fleisch pro Woche. Und das, obwohl das Angebot an Fleischersatzprodukten stetig wächst. „Die Lösungen, die momentan angeboten werden, sind für viele Fleischesser ein zu großer Kompromiss“, glaubt Philipp Stangl und ist überzeugt: Um die Reduktion des Fleischkonsums schmackhaft zu machen, „braucht es eine Lösung, die die Leute dort abholt, wo sie gerade sind.“ Alltagstauglich müsse sie sein, den Genussfaktor berücksichtigen und vollen Fleischgeschmack bieten.

Um wirklich zum Klimaschutz und der Verringerung der konsumierten Fleischmenge beitragen zu können, muss Rebel Meat auch bei der breiten Masse ankommen. „Wir wollen langfristig in den Handel gehen, um uns direkt an die Endverbraucher zu wenden. Wir müssen als Gesellschaft weniger Fleisch essen“, sagt Stangl. Es gebe auch bereits Pläne, in der Schweiz und in Deutschland zu starten.

„Sobald Clean Meat marktreif ist, wollen wir es in unsere Produkte integrieren“, sagt Stangl. „Wir werden das konventionelle Fleisch durch Clean Meat ersetzen, wenn es marktreif ist. Wir könnten die erste Consumer Brand in Europa sein, die Clean Meat anbietet.“ Wann das sein könnte, ist aber weiter offen. „Es wird nicht schneller als in fünf Jahren gehen, aber auch nicht länger als zehn Jahre dauern.“

Im März 2021 wurde eine Bratwurst ins Sortiment aufgenommen; und Mitte April kommen neue Produkte dazu: „Neben der Bratwurst wird es mit Käsekrainern ein typisch österreichisches Produkt geben“, erklärt Philipp Stangl. Auch Faschiertes, also Hackfleisch, ist in Planung, sowie ein weiteres Burgerpatty. Anders als das bisherige Produkt soll die neue Ware in der Frischfleischtheke zu finden sein. Außerdem soll der teure Pilz durch Gemüse-Kombinationen ersetzt werden. „Damit liegen wir dann im gleichen Preissegment wie Standard-Biofleisch“, sagt Stangl, der seine Produkte bald auch in der Schweiz und in Deutschland vertreiben will. „Langfristig ist das Ziel, den Preis weiter zu senken und Biofleisch leistbarer zu machen.“

Mittelfristig will Rebel Meat den Fleischanteil seiner Produkte weiter minimieren, ohne an Geschmack einzubüßen. Das Start-Up kooperiert etwa mit einem belgischen Produzenten, der tierisches Fett im Labor herstellt. Stangl kann sich vorstellen, dieses später in seinen Produkten zu verwenden – „wenn der Konsument das will“. Das Ziel sei nicht, Fleisch vollständig zu ersetzen und die „Kuh als Klimakiller“ zu diffamieren. „Es gibt Argumente, die für eine ökologische Nutztierhaltung sprechen. Rinder sind beispielsweise für den Humusgehalt im Boden wichtig“, sagt Stangl. Entscheidend sei deshalb nicht nur „weniger Fleisch zu essen, sondern vor allem besseres Fleisch“. Wenn die Österreicher ihren Fleischkonsum auf ein Viertel reduzieren würden, also von 1,2 Kilogramm auf 300 Gramm pro Woche, wäre die Fleischproduktion nachhaltig machbar, glaubt der Unternehmer – ohne den Import von Kraftfutter, dafür mit Kühen auf der grünen Weide.

Quellen

https://www.trendingtopics.at/rebel-meat-live-stream-interview/ (19-08-12)
https://www.faz.net/aktuell/stil/essen-trinken/kuechen-koeche/rebel-meat-co2-fussabdruck-trotz-fleischkonsum-reduzieren-17264563.html (21-04-01)