Romy Stangl, Aktivistin

Romy Stangl engagiert sich mit ihren Mitstreiterinnen bei der weltweiten Bewegung „One Billion Rising„, die auf Gewalt aufmerksam machen und über Hilfsangebote, wie Frauenhäuser, Frauennetzwerke und Notruftelefon informierenen. One Billion Rising“ wurde 2012 von der New Yorker Künstlerin und Feministin Eve Ensler initiiert. Mittlerweile ist daraus eine weltweite Kampagne geworden, Millionen Frauen erheben sich gegen Gewalt, Diskriminierung, Femizide und Ausbeutung und setzen sich für ein Ende der Gewalt gegen Frauen und Mädchen ein. In München gründete Romy Stangl mit einigen Mitstreiterinnen eine Niederlassung als Verein.

Viele Frauen wissen nicht, wo sie Hilfe bekommen und schämen sich, über ihre Misshandlungen zu sprechen. Hauptberuflich arbeitet die 45-Jährige in der Kämmerei eines Rathauses. Für Romy Stangl ist es ein reines Machtspiel, wenn ein Mann meint, über eine Frau bestimmen zu dürfen. Oft würden sie auch die körperliche Schwäche ein Stück weit ausnutzen. „Und die Männer, ich sage es jetzt wirklich bewusst, wissen sich auch in Sicherheit. Der Staat und auch die Rechtsprechung erheben oft keine hohen Strafen. Somit wähnen sich die Täter auf der sicheren Seite.“

„Man sollte begreifen, dass nicht die Frau sich schämen muss, wenn ihr Gewalt passiert, sondern der andere Mensch, der ihr das antut. Gewalt geht nicht erst bei der ersten Ohrfeige los, sondern schon, wenn ein Mensch einem mitgibt, dass man nichts wert ist, dass man schlecht ist, dass man eingesperrt wird. Dann muss ich raus.“
Romy Stangl

Das Problem „Gewalt gegen Frauen“ will Romy Stangl von Grund auf angehen, deshalb engagiert sie sich auch für Täterprogramme, Friedenserziehung und gewaltfreie Kommunikation in Kindergärten und Schulen, hält Vorträge und sucht immer wieder Verbündete wie zum Beispiel die Bäcker-Innung München und Landsberg. Auf Semmel-Tüten werden Hilfsangebote und Adressen gedruckt und über mehrere Tage verteilt. Die bundesweite Aktion „Gewalt kommt nicht in die Tüte“ findet rund um den „Internationalen Tag der Gewalt an Frauen“ am 25. November statt.

In Deutschland erlebt jede dritte Frau mindestens einmal in ihrem Leben körperliche, psychische oder sexuelle Gewalt. Meistens zu Hause, in einer Partnerschaft. Laut jüngster Statistik sind es fast 115.000 Frauen im Jahr. Jeden Tag versucht ein Mann, seine Partnerin oder Ex-Partnerin zu töten. Femizide, Morde an Frauen, weil sie Frauen sind, geschehen auch in Deutschland, mehr als 300 pro Jahr, in allen Gesellschaftsschichten und Kulturen. Diese Morde werden im Sprachgebrauch häufig als Trennungstötung, Partnerschaftsdelikt oder Ehrenmord bagatellisiert. Nicht immer werden Körperverletzung oder Mordversuche angezeigt, wie hoch die Dunkelziffer ist, weiß niemand.

Hilfetelefon – Gewalt gegen Frauen in Deutschland 08000 116 016
Hilfetelefon – Frauenhelpline gegen Gewalt in Österreich 0800 222 555

Quelle: https://www.br.de/nachrichten/kultur/femizide-morde-an-frauen-weil-sie-frauen-sind,SVfxu29 (21-04-27