Zeno Stangl

Grüne Gentechnik: Herrgott nicht ins Handwerk pfuschen

Dorfen – Der Großteil der Bauern im Landkreis lehnt gentechnisch veränderte Pflanzen ab, sagt der Bauernverband. Jetzt sollen die Verbraucher vor „dem größten Menschenversuch aller Zeiten“ gewarnt werden.

Gemeinsam gegen gentechnisch veränderte Pflanzen setzten sich (v. l.) die Landwirte Johann Graf, Zeno Stangl, Günther Drobilitsch, Michael Eberl und Anton Oskar ein. Foto: obp

Gegen den Einsatz von gentechnisch veränderten Pflanzen haben sich Bauern des BBV-Kreisverbandes Erding zusammengeschlossen. Mehrere Vertreter des „Arbeitskreises gentechnikfreier Landkreis“ informierten jetzt über ihre Beweggründe. „Den größten Menschenversuch aller Zeiten“ nennt Zeno Stangl die Vorhaben einzelner Konzerne, Pflanzen, die auf gentechnische Art und Weise schädlingsresistent gemacht wurden, in der Landwirtschaft anzubauen. „Man hat bis jetzt noch keine Vorstellungen, wie sich die veränderte Saat auf Natur, Tiere und Menschen auswirken wird.“

Es gebe keine oder nur unzureichende Tests. Und hier wird von den Bauern die Neutralität der Untersuchungen angezweifelt. „Einmal ausgesät, ist das Ganze nicht mehr aufzuhalten“, so Stangl. Von den Wirtschaftspflanzen könne sich die Veränderung nämlich auch auf die Wildpflanzen übertragen und wäre somit nicht mehr aus dem Naturkreislauf zu löschen.

Eine genveränderte Pflanze produziere zudem ein Toxin gegen den Schädling, gegen den sie immun gemacht worden sei. Niemand wisse, welche Auswirkungen der so enthaltene Giftstoff auf Mensch und Tier haben werde. „Allein die Tatsache, dass die Hersteller solchen Saatguts keine Nebenwirkungen versichern, allerdings klarstellen, dass sie im Falle solcher nicht dafür haften, sollte doch jeden wachrütteln.“

Die Bauern glauben auch nicht an den versprochenen Ertragszuwachs von genmanipulierten Pflanzen. Im Gegenteil, es dauere mehrere Jahre, bis eine Pflanze von der Veränderung zur Aussaat gelange. Einmal eingeführt, so die Landwirte, sei außerdem ein Nebeneinander von naturbelassenen und gentechnisch veränderten Lebensmittel nicht mehr möglich. „Überall gäbe es zwei Haufen, das fängt schon im Lagerhaus an“, argumentiert Stangl.

Die Bauern setzen auch auf die Macht der Verbraucher. Sie hätten, etwa bei Wahlen, Einfluss auf die Politik. „Unser Anliegen ist vor allem die Aufklärung der Bürger.“ Die Landwirte wollen sich gegen die flächendeckende Einführung von genmanipulierten Pflanzen wehren. Motto: Dem Herrgott nicht ins Handwerk pfuschen.

Bedenken haben die Bauern auch wegen des Einflusses der Gentechnik-Konzerne: „Mit der Grünen Gentechnik lässt sich eine gleiche Marktmacht aufbauen, wie sie mit dem Öl schon besteht. Auf Öl kann man am Ende aber verzichten, auf Nahrungsmittel nicht.“ (obp)

Quelle: merkur-online.de vom 24.03.09